Ausstellung „L’inverno nell’arte. Paesaggi, allegorie e vita quotidiana“
Im Castello del Buonconsiglio, Trento
Im Hintergrund erkennt man die schlanken Türme einer weißen Stadt. Im Vordergrund liefert sich eine Gruppe unbändiger Kinder eine Schneeballschlacht. Und in der Mitte diese Szene: sechs Männer beim Curlingspielen. Eigentlich nichts Ungewöhnliches, aber es handelt sich um ein Gemälde von Jan Wildens, einem flämischen Maler aus dem 16. Jahrhundert.
So erfährt man beim Besuch der Ausstellung „L’inverno nell’arte. Paesaggi, allegorie e vita quotidiana“ („Der Winter in der Kunst. Landschaften, Allegorien und Alltag“), die bis zum 15. März 2026 im Castello del Buonconsiglio in Trento zu sehen ist, dass der Sport Curling schon mindestens vierhundert Jahre alt ist.
Es ist eine der vielen Geschichten von Schnee und Eis, die über fünfzig Gemälde erzählen. Acht Ausstellungsbereich sind den vielseitigen Gesichtern des Winters zwischen Realität und Fantasie gewidmet. Ein interessanter Rundgang, der zu Gemälden, Skulpturen, sonstigen Artefakten, historischen Dokumenten und einer kuriosen Schlittensammlung aus dem 18. Jahrhundert führt.
HEADER: Jan Wildens, Pattinatori su ghiaccio (gennaio), circa 1614, Genova, Musei di Strada Nuova
Welches Gesicht hat der Winter?
Auf diese und andere Fragen versucht die Ausstellung in Trento eine Antwort zu finden. Für den Maler Girolamo Donnini ist es ein alter Mann mit einem langen weißen Bart. So stellt er ihn in seiner Allegoria dell’Inverno (Allegorie des Winters) (1740) dar. Für Pietro Bellotti (1625-1700) ist es eine alte Frau mit runzeligem Gesicht, die ihre kalten Hände wärmt (Vecchia che si riscalda - Sich wärmende Alte, 1690). Francesco Bartolozzi hingegen interpretiert ihn als schönes Mädchen mit einem eleganten Hut (Winter, 1789).
Das Bild Winters verändert sich im Laufe der Jahrhunderte.
Die von den Konservatoren Dario De Cristofaro, Mirco Longhi und Roberto Pancheri kuratierte Ausstellung führt Besuchende auf einen Pfad zwischen Realität und Fantasie. Dieser Balanceakt wird deutlich, wenn man diese durch Alltagsszenen bereicherten, majestätischen Landschaftsbilder betrachtet.
Weiße Türme und Eiswälder
Märchenhafte Landschaften als Kulisse für realistische Szenen: so präsentiert ein Gemälde von Marco Ricci (1676-1730) eine vereiste Mühle vor einer magisch weißverschneiten Stadt im Hintergrund. Die dargestellten Landschaften sind von deutlich viel Eis geprägt, was auf die so genannte kleine Eiszeit hinweist, die das Weltklima zwischen der Mitte des 14. und der Mitte des 19. Jahrhunderts bestimmte. Zugefrorene Flussläufe wurden damals oft zu Schlittschuhbahnen, vereiste Waldwege zu möglichen Todesfallen.
Solche Wintereindrücke gewinnt man in der Ausstellung im Castello di Buonconsiglio, verewigt im unverwechselbaren Malstil berühmter Künstler wie Pieter Brueghel dem Jüngeren, Pieter Brueghel dem Älteren, Jan Wildens oder den Italienern Luigi Casali und Francesco Fidanza.
Wintergeschichten, die zudem aus den Ausstellungsräumen hinaus und zu einem der ältesten Winkel der Burg führen.
ÜBER: Pieter Brueghel il Giovane, Adorazione dei Magi nella neve, 1590-1610, Venezia, Fondazione Musei Civici di Venezia, Museo Correr
Die Fresken des Turms
Den Auftakt zur Ausstellung bildet Vivaldis Winter, als musikalische Untermalung zu Bildern von alten Trentiner Adliger, die Schneebälle werfen. Eine Einladung, den Ausstellungsrundgang (auf Vorreservierung) mit dem Besuch einer der bedeutungsvollsten Orte innerhalb der Burg abzuschließen, dem Turm Torre dell'Aquila.
Die hier befindliche Freskenreihe Ciclo dei mesi (Zyklus der Monate) gilt als Meisterwerk der Gotik von internationalem Ansehen – und verspricht ein sehr lohnendes Erlebnis.
ÜBER:: Torre Aquila, mese di gennaio (particolare), Castello del Buonconsiglio
Eine Ausstellung anlässlich der Olympischen Spiele
Die Ausstellung „L’inverno nell’arte. Paesaggi, allegorie e vita quotidiana“ (Der Winter in der Kunst. Landschaften, Allegorien und Alltag) gehört zu den Programmpunkten der Initiative „Combinazioni“ (Kombinationen), dem alljährlichen Gemeinschaftsprojekt der Museen und Kulturinstitutionen des Trentino, das ein Thema aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet.
Das Thema für 2025/2026, angeregt von den Olympischen und Paralympischen Winterspielen Milano Cortina 2026 lautet „Combinazioni_caratteri sportivi“ (Kombinationen_sportliche Zeichen). Die diesjährige Ausgabe gehört zum umfangreichen Veranstaltungsprogramm der Kulturolympiade Milano-Cortina 2026, die mit Kunst- und Kulturevents, bei denen die olympischen und paralympischen Werte, das italienische Kulturerbe und das Thema Sport im Vordergrund stehen.