Die Faszination einer ungewöhnlichen Radstrecke: die Strada del Menador

Ein sensationeller Anstieg auf einer der am wenigsten befahrenen Strecken im Trentino verspricht ein einmaliges Erlebnis

Unbekannte Bergstraßen sind für Radsportbegeisterte wie ein endloses Spielfeld. Zu den beliebtesten Routen gehören vor allem abgelegene Sträßchen mit möglichst wenig Motorverkehr.

Das Schöne am Radfahren im Trentino ist genau das: man kann lange Touren unternehmen und große Steigungen erklimmen, ohne mit viel Verkehr in Berührung zu kommen.

Der Menador: ein ebenso faszinierender wie legendärer Anstieg

Vom Lago di Caldonazzo ausgehend gibt es einen besonderen Anstieg, der für Liebhaber des Rennrads unbedingt erkundet werden sollte. Sein alter Name, Kaiserjägerstraße, ist bereits ein Versprechen. Auch der lokale Spitzname klingt nicht gerade harmlos: „Menadór“ erinnert an einen Boxer, der dich mit seiner unerbittlichen Rechten auf die Matte schickt.

Es sind vierzehn Kilometer, eingebettet in eine Landschaft, die von Almen und Überresten der Frontlinie geprägt ist – genau hier wurde im Erster Weltkrieg gekämpft. Von Anfang an befindet man sich an einem bezaubernden und wunderschönen Ort.

Der Menador: ein ebenso faszinierender wie legendärer Anstieg

Die ersten Kehren beginnen gleich außerhalb des Ortes Caldonazzo, und unser Rat ist, dort erst nach einem guten Aufwärmen anzukommen. Wenn du den Menador mit dem Auto befährst, wird dir der Anstieg extrem steil erscheinen. Mit dem Fahrrad hingegen ist er genau so, wie ein Radsportler ihn erwartet und sich wünscht: anspruchsvoll und herausfordernd – und vor allem nahezu verkehrsfrei. Ein wahres Juwel. Um mit Freude hinaufzufahren, ist es wichtig, einen gleichmäßigen Rhythmus zu halten, ohne ruckartig zu beschleunigen. Nach den ersten Rampen lichtet sich der Wald und macht Platz für Felsen und steile Abhänge des Monte Pegolara.

Der Rat, besonders wenn du den Anstieg zum ersten Mal in Angriff nimmst, lautet: Mach dir nicht zu viele Gedanken über die Daten deines Fahrradcomputers. Vergiss die Stoppuhr und tritt in die Pedale, während du dich auf die Landschaft konzentrierst und einen Ort genießt, der zeitlos wirkt. Die Stille herrscht, und die Geräusche des Waldes werden nur vom Atem und vom leisen Rollen der Reifen auf dem Asphalt unterbrochen.

Etwa auf halber Strecke wirst du von zwei kurzen Tunneln „verschluckt“, zwei mit Pickeln in den Fels gehauenen Durchbrüchen der Alpini-Truppen; danach folgen noch zwei Kehren, anspruchsvoller als die vorherigen. Eine der letzten Kurven bietet einen Aussichtspunkt, von dem aus man das Panorama ins Tal genießen kann – als könnte man sich von dort direkt in den See stürzen.

Der Menador: ein ebenso faszinierender wie legendärer Anstieg

Schließlich wird im letzten Abschnitt die Straße breiter, die Steigung flacht ab und wird angenehmer zu fahren; man genießt den Schatten der Lärchen, durch die die warme Sonne hindurchscheint – und endlich ist der Gipfel erreicht.

Die „Eroberung“ des Menadór hat meist nur vorbeiziehende Wanderer als Zeugen. Man grüßt sich mit einem Lächeln, Radfahrer und Wanderer untereinander. Statt Applaus und eines Sprechers an der Ziellinie nach deiner kleinen Leistung begleitet dich hier der Klang der Natur, der sich mit den Jahreszeiten verändert – vom Läuten der Kuhglocken bis zum Schwirren der Stare.

Eine Bergstraße zu erklimmen ist immer ein bisschen so, als würde man einen Gipfel erreichen: Dort oben, bevor es wieder hinabgeht, gibt es diesen Moment des Glücks, der aus der persönlichen Zufriedenheit entsteht, es geschafft zu haben. Man belohnt sich für die Anstrengung mit einem Schluck kühlen Wassers aus der Trinkflasche oder mit einer leckeren Jause. Glück ist etwas Einfaches – und zum Greifen nah.

Die Streckenführung des Anstiegs am Menadór

Die Streckenführung des Anstiegs am Menadór

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Veröffentlicht am 25/02/2026