Ursprünge und Geschichte
Die heutige Form des Brauchs entstand im 16. Jahrhundert im Rahmen der katholischen Gegenreformation, die vom Konzil von Trient gefördert wurde, um den Einfluss der protestantischen Reformation einzudämmen. Die Tradition wird bis heute im gesamten Alpenraum gepflegt, von der Schweiz über Österreich bis nach Slowenien – und natürlich in Südtirol und im Trentino, insbesondere im Bersntol, in Faedo, im Val di Cembra und im Val di Fiemme. Auch im Veltlin, im Val Sabbia in der Provinz Brescia und auf der Hochebene von Asiago in Venetien ist die Tradition noch lebendig.
Die Bedeutung des Brauchs
Hauptevent der Feierlichkeiten ist die Prozession der Sternsinger, die auf einem langen Stab einen bunt leuchtenden, rotierenden fünf- oder sechszackigen Stern mit sich führen. Sie symbolisiert die Reise des Kometensterns nach Bethlehem. Die Sänger, von denen mancherorts drei als Heilige Drei Könige verkleidet sind, ziehen zwischen Weihnachten und dem Dreikönigstag durch die Gassen der Dörfer.
Ihr Rundgang zu den Häusern des Dorfes ist nicht nur ein musikalisches Stelldichein, sondern auch Ausdruck des tiefen Gemeinschaftsgefühls zwischen den Menschen und Familien. Oft ist damit auch ein Segensritual verbunden: Früher schrieb man mit Kreide die Initialen der Heiligen Drei Könige (K+M+B) und die Jahreszahl an die Türen, als symbolischen Schutz für das Haus, den Stall und die Scheune. Im Bersntol besteht dieser Brauch noch immer, wenn auch weniger ausgeprägt als in Südtirol, und nicht mehr unbedingt mit dem Besuch der Sternsinger verbunden.
Von der Subsistenzwirtschaft zur Wohltätigkeit: der Stern der Armen
Ursprünglich diente das Canta della Stella auch dazu, Spenden zu sammeln. In früheren Zeiten waren es Grüppchen von armen Bauern, Landarbeitern oder Menschen am Rande der Gesellschaft, die während der Festtage durch die verschneiten Täler zogen und an den Türen der besser Gestellten klopften, um ein bisschen Geld oder Lebensmittel wie Mehl, Eier oder Wein zu erbitten. Heute werden hauptsächlich Spenden gesammelt für Messen zum Gedenken an die Verstorbenen (im Bersntol), oder für Wohltätigkeitsprojekte und internationale Missionen.